Archiv für den Monat: Februar 2015

treibhaus kommt rum – Folge 2

Taxi

 

Panahis Taxi im Rückspiegel

Ich nahm ein Taxi, um zur Premiere von Jafar Panahis Taxi zu kommen. Dass mein Taxifahrer auch noch gebürtiger Iraner war, war ein unglaublicher Zufall. Solche Fügungen, dachte ich mir, passieren doch nur im Film.

Der iranische Regisseur wird zum Taxifahrer, weil er in seinem Heimatland Berufsverbot hat. Um doch einen Film zu drehen, nimmt er mit einer am Armaturenbrett befestigten Sicherheitskamera die Gespräche seiner Fahrgäste auf. Im Glauben, unbeobachtet zu sein, äußern die Fahrgäste sich kritisch, wenn auch oft etwas kryptisch, über gesellschaftliche und politische Themen.

Kryptische Formulierungen und symbolische Handlungen sind ein Kennzeichen des iranischen Kinos. Das liegt nicht nur an der strengen Zensur, die im Mittelpunkt von Panahis Film steht, sondern auch an der unvergleichlich starken Idiomatik der persischen Sprache. Diese scheint ausschließlich aus blumigen Metaphern zu bestehen – fast nichts ist wörtlich zu nehmen. Schon eine kurze Liebeserklärung etwa klingt wie eine Zeile aus einem Gedicht: “Ich liebe dich” – ghorbanat beram –  bedeutet wörtlich “ich opfere mich für dich”. Diese Gewohnheit der Iraner, sprachliche Äußerungen nie für bare Münze zu nehmen, führt dazu, dass sie empfänglicher für das Symbolische im Prosaischen sind.

Im Film zwängen sich zwei behäbige Damen in Panahis Taxi. Sie tragen ein Goldfischglas und behaupten, sie müssten sterben, wenn sie es nicht bis 12 Uhr mittags zu Alis Brunnen schafften, um ihre zwei Goldfische auszusetzen. Das Skurrile an dieser Szene ist nicht nur das hysterische Getue der Goldfisch-Frauen, sondern vor allem auch die Gelassenheit, mit der sich Panahi die Geschichte der beiden Frauen anhört, als gehörten solche Absurditäten zum Teheraner Alltag.

Mit meinem iranischen Taxifahrer führte ich keine absurden Gespräche. Er erzählte mir lediglich von seinem Karrierewechsel. Als ausgebildeter Ingenieur wollte er eigentlich Stadtplaner werden. Dann bekam er Ärger mit der Bassitchi – der iranischen Religionspolizei – und musste nach Deutschland fliehen. Jetzt fährt auch er Taxi.

Der Autor

Benjamin Dorvel ist aktueller treibhaus-Volontär bei der Agentur insglück in Berlin und war in der Premiere des Siegerfilms der Berlinale.

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treibhaus kommt rum – Folge 1

 Fields of Ideas, Deutscher Pavillon EXPO 2015 Mailand

 

EXPO 2015 IN MAILAND –  FEEDING THE PLANET

Milla, Schmidthuber, Nüssli – das bewährte Dreamteam für den ganz großen  Auftritt präsentiert sein Konzept für den deutschen Pavillon

Letzte Woche präsentierten die Macher des Deutschen EXPO-Pavillons der Presse zum ersten Mal, was zurzeit auf dem Mailänder EXPO-Gelände entsteht.
Anders als zu früheren Zeiten, als die Expos vor allem Leistungsschauen der einzelnen Teilnehmerländer waren, versucht man heute, eine Plattform für Lösungsansätze globaler Themen zu bilden. Die Mailänder Expo wird im Rahmen dieses Masterplans vom 01.05.15 bis zum 31.10.15 unter dem Motto “Feeding the Planet, Energy for Life” stehen. Weiterlesen

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treibhaus macht schlau – Folge 1

 Loriot 

Warum diese Traueranzeige wirkt

Texter-Crashkurs mit Michael Veidt

Die ganzseitige Zeitungsanzeige besteht nur aus 4 Worten und ist allerfeinstes Texterhandwerk. Die Werkzeuge: Verdichtung, Perspektivwechsel, Normbruch. Für den Nachruf des ADC für sein Ehrenmitglied Vicco von Bülow alias Loriot hagelte es – Kritik? Nein. Werberpreise. Es ist ein Paradebeispiel für das erste Textergebot: Kommunizieren statt Informieren. Weiterlesen

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