Archiv für den Monat: Juni 2016

treibhaus macht schlau – diesmal: Bühnengestaltung / Bühnenentwurf

STAGE FORMATION
THE TREIBHAUS 0.8 WORLD TOUR 2016
Bild1 The Formation World Tour (2016)

Frontbühne. Vorhang auf. Spotlight! Die Show beginnt.
Klassische Bühnensituation. Klassische Show.
Seither hat sich viel getan. Inszenierung im Raum hat neue Dimensionen für sich eingenommen und somit auch neue Ansprüche an die Gestaltung und Entwürfe von Bühnen gestellt. Allroundtalent Lady Gaga hatte während ihrer „The Born This Way Ball“-Welttournee (2012-2013) ein komplettes Schloss im Schlepptau und das aktuelle Bühnenkonzept der „The Formation World Tour“ (2016) von Weltstar Beyoncé passt nicht in die üblichen Konzerthallen, sondern nur in die XXL-Stadien der Sportclubs. Ein 18 Meter hoher, 19 Meter breiter und sich drehender LED-Quader besticht das Bühnenbild. Von der Hauptbühne führt dann noch ein Catwalk zur Zweitbühne, die eine Art Swimmingpool ist. Phänomenal! Es geht aber auch weiterhin dezent. Um in einer Liga zu bleiben: Adele. Die britische Sängerin sorgt nicht nur für Gänsehaut, sondern auch für Stimmung, und das mit einer klassischen Bühnensituation. Aufregend ist hier das Erscheinen der Künstlerin über den Bühnenboden auf einer zweiten und kleineren Bühne mitten im Saal. Die Besinnung auf Schlichtheit und Klassik mit dem Fokus auf die Livemusik macht ihre Konzerte natürlich nicht uninteressanter. Das Gegenteil ist der Fall. Wer schafft es heutzutage sonst noch das Gefühl von Intimität in einer Halle à la Mercedes-Benz Arena Berlin zu schaffen? Die Interaktion mit dem Publikum übernimmt während der „Adele Live 2016“-Tournee (2016) nicht die Bühne. Hier steht einzig und allein die Künstlerin wieder im Spotlight, unterstützt von ihrer Band. Die Bühne dient hier als Zweck zum Mittel.
Next level. Back to the future. Eurovision Song Contest 2016! Ein Feuerwerk an Bühnenkonstruktion. Beschreibungen werden diesem Giganten nicht gerecht:
 
Bild 2 Eurovison Song Contest 2016 (Stockholm, Schweden)
Der Koloss in Zahlen: Bühnengewicht 65 Tonnen, Höhe 15,5 Meter, Breite 50 Meter, Tiefe 32 Meter, 900 Quadratmeter hochauflösende LEDs.

Das jährliche Großereignis der Musikbranche nimmt Joana Rimmler, Head of Design und Mitglied der Geschäftsleitung bei VOSS+FISCHER, als Beispiel um dem Konzeptionsnachwuchs des treibhaus 0.8 auf die Themen Bühnengestaltung und Bühnenentwurf einzuschwören. Der Funke springt über. Der treibhaus-Nachwuchs geht selbst in die Gestaltungs- und Entwurfsphase und entwickelt eigene Moodboards für Bühnenvisionen. Diese stellen jeweils einen Workshop-Teilnehmer in den Mittelpunkt. Vorhang auf und Bühne frei für den treibhaus-Jahrgang 2015/2016 (Auswahl):
 
Bild 3Vorhang auf für Theresa! Inszeniert von Jimmy.

 
Bild 4Vorhang auf für Mirijam! Mady by Christina.

 
Bild 5Vorhang auf für Katharina! Mit Liebe zum Detail von Mirijam.
 
Bild 6Vorhang auf für Sarah! Proudly present by Lars.

Der Autor:

Foto_Jimmy-Can Taymus Jimmy-Can Taymus hat einen Bachelor of Arts in Journalistik und ist derzeit Volontär als Kreativ-Konzeptioner bei „CB.e AG agentur für kommunikation“ in Berlin.

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treibhaus diskutiert – diesmal: Annette Beyer bei der MEXCON 2016

 

Mexcon 2 Dramaturgie und Inszenierung in der Zukunft der Messe- und Veranstaltungswirtschaft. Es diskutierten mit dem Publikum: Marc Preiser, Freier Szenenbildner –  Heike Schaffernicht, MIKS GmbH –  Moderatorin Gabriela Dannenberg – Stefan Rössle, Kontrapunkt – Annette Beyer, treibhaus 0.8 –  Ulrich Wünsch, Hochschule der populären Künste Berlin. (v.l.n.r.). Veranstalter: die Verbände AUMA und FAMAB

treibhaus 0.8 Geschäftsführerin Annette Beyer sieht den Stellenwert von „Inszenierung“ in der Zukunft der Live-Branche so:

These 1:
Es wird  immer weniger Produkte geben, die auf den ersten Blick sexy sind.
Das Produkt der Zukunft verkauft sich nicht darüber, wie es aussieht oder sich anfühlt, sondern darüber, was es dem einzelnen „Nutzer“ nutzt. Stichwort Industrie 4.0.  Consumer: Smartphones, App-Dienstleistungen, vernetzte Hausgeräte. Das Auto entwickelt sich gerade vom sinnlichen Lustobjekt zur komplexen Problemlösung.

These 2:
Je weniger wir von Marken und Produkten zeigen können, desto präziser müssen wir über sie erzählen.
In Zukunft wird es grade unseren budgetstärksten Kunden nicht mehr reichen, irgendwas irgendwie zu „emotionalisieren“.  Wir werden hoch abstrakte Produkteigenschaften inszenieren müssen, und zwar viel  inhaltsstärker, gleichzeitig sinnlicher und vor allem wesentlich präziser als heute.

These 3
Die Inszenierung der Zukunft liefert vorrangig die Bühne für die digitale Selbstinszenierung der Teilnehmer
Heute  inszenieren wir für die Teilnehmer vor Ort und ggf. für die Medien. Morgen ist ein dritter Adressat immer dabei – das soziale Netz. Sobald die Generation Instagram „an der Macht“ ist, wird das auch für Corporate gelten. Die Wahrheit einer Live-Inszenierung wird das sein, was die Teilnehmer über sie posten und die Klicks, die sie generieren. Das Selfie steigert Reichweite und Wirkfaktor von Live-Markenauftritten ins Gigantische  – wenn man professionell damit arbeitet.

These 4
Gute Live-Kommunikation heißt nicht „gute Veranstaltung“, sondern „gute Kommunikation“.
Theoretisch hat das die Branche verstanden. Die Umfirmierung von „Event“ zu „Kommunikation“ ist bei den führenden Agenturen fast abgeschlossen, der Verband will nachziehen. Praktisch, mental und personell hat der Paradigmenwechsel in den Agenturen kaum stattgefunden. Man denkt in Veranstaltung, verkauft Veranstaltungen, verdient Geld mit Veranstaltungen und zeichnet  Veranstaltungen aus – nicht Kommunikationslösungen. Wenn die Branche weiter halbherzig agiert, werden die etablierten Kommunikationsprofis, also die klassischen Werbeagenturen,  demnächst auch Messe und Corporate übernehmen. Consumer und Public haben sie schon.

These 5
Wir brauchen Konzeptioner, die zu 100 Prozent Kommunikationsprofis sind
Für die Marken-Inszenierungen der Zukunft brauchen wir Konzeptioner (also Kreative, gemischte Teams … is mir egal), die in der Agentur etwas zu sagen haben, ihre Live-Instrumente beherrschen, aber vor allem in KOMMUNIKATION denken. Das lernt man nicht an Management-Hochschulen, sondern in Kommunikationsstudiengängen. Davon gibt es in Deutschland rund 100, manche mehr gestalterisch-kreativ, manche mehr medienwissenschaftlich. Die meisten arbeiten längst crossmedial. Aus diesem Absolventenschatz schöpft die klassische Werbung seit Jahren erfolgreich durch gezielte Kooperationen und Nachwuchs-Angebote. Mein Rat an die Live-Branche: Ran an die Werber-Hochschulen! Informieren, interessieren, rekrutieren. Und dann ans treibhaus 0.8 schicken für`s  kreative Live-Handwerk.

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treibhaus macht schlau – diesmal: Diskussionsformate

 

Barcamp_London_9_-_opening_session Opening Session eines Barcamps – eins von vielen innovativen Diskussionsformaten, die in jungen Communities entwickelt wurden und zunehmend von etablierten Unternehmen adaptiert werden.

Mitteilen, Verstehen und gemeinsam Lösungen finden

Kommunikation bedeutet nicht nur, mithilfe von Sprache und Gestik sich mitzuteilen. Es geht auch darum, den anderen zu verstehen und selbst verstanden zu werden. Um Kommunikation bei Veranstaltungen zu fördern, gab uns Eva Heid von der Agentur Pro Event einen kurzen Überblick über bewährte Diskussionsformate. In diesem Blogeintrag stelle ich 6 Formate vor.

Barcamp (ein- oder mehrtägig):
Barcamp2
Barcamps unterscheiden sich von klassischen Konferenzen. Es gibt keine feste Planung im Vorfeld, keine festen Redner[1], keine Einladungen und kein festgelegtes übergreifendes Thema. Teilnehmer, die eine Diskussionsrunde leiten oder einen Vortrag halten, stellen ihr Thema vor.  Die Zahl der Interessenten wird per Aufzeigen ermittelt und sie werden einem freien Raum zugewiesen. Sessions sind in der Regel 30 Minuten lang, werden aufgezeichnet und protokolliert.[2]

World Café (12 bis 2000 Teilnehmer, eintägig)
World Cafe
Vier bis maximal sechs Teilnehmer finden sich im Raum verteilt an kleinen Tischen zusammen. Die Tische sind mit weißen, beschreibbaren „Papiertischdecken“ und Stiften ausgestattet. Während der Tischdiskussionen zu bestimmten Fragestellungen entstehen eine Vielzahl von Ideen und Erkenntnissen. Diese werden auf den Tisch geschrieben. Ein fester Moderator am Tisch erläutert die Fragestellung und weist auf die Verhaltensregeln hin. Ziel ist es, möglichst alle Betroffenen zu Wort kommen zu lassen. Nach 15-30 Minuten werden die Gruppen gemischt und es wird an einem anderen Tisch weiterdiskutiert. Die Dauer eines World-Cafés beträgt zwischen 45 Minuten und drei Stunden und wird mit einer Reflexionsphase beendet.

Pecha Kucha
Pecha Kucha
Pecha Kucha ist eine spezielle Vortragstechnik, bei der Folienanzahl und Zeit fest vorgegeben sind. Die Anzahl der Slides liegt bei 20 Stück, welche jeweils maximal 20 Sekunden lang angezeigt werden. Mehrere Vorträge hintereinander werden in sogenannten Pecha Kucha Nights (PKN) vorgetragen. Die Konzentration auf das Wesentliche steht im Vordergrund.[3]

Open Space (50 bis 2000 Teilnehmer, mehrtägig):
Open Space
Opens Space ist eine Methode der Großgruppenmoderation. Ein Moderator führt in ein übergreifendes Thema ein. Daraufhin können alle Teilnehmenden ihr Anliegen einbringen. Anliegen sind Themen, die „unter den Nägeln brennen“.  Auf einer großen Wand werden diese gesammelt und verfügbaren Räumen und Zeiten zugeordnet. Die Gruppenphase ist selbstorganisiert. Teilnehmer können die Diskussionsrunde jederzeit verlassen und in eine andere einsteigen. Die Dauer sind in der Regel 2,5 Tage. Am letzten Tag werden die Ergebnisse gesammelt und ausgewertet.[4]

Fishbowl (stündlich bis eintägig):
FishBowl
Teilnehmer sitzen in einem großen Kreis (Außenkreis) um eine kleine Gruppe von Stühlen in der Mitte (Innenkreis). Im Innenkreis (im „Goldfisch-Glas“) wird über das Thema diskutiert. Die Mitglieder aus dem Außenkreis können jederzeit an der Diskussion teilnehmen, indem sie sich auf einen freien Stuhl im Innenkreis setzen. Jeder bleibt nur so lange sitzen, wie er etwas zu sagen hat. Ist kein Stuhl frei, dürfen Teilnehmer auch Mitglieder des Innenkreises „abklopfen“. Diese sollten daraufhin ihren Satz fertig sprechen und Platz für den Teilnehmer aus dem Außenkreis machen.
Vorteil der Fishbowl-Methode ist es, dass Mitglieder, die sonst in einer großen Gruppe nicht zu Wort kommen, jederzeit ihre Meinung äußern und aktiv mitdiskutieren können.[5]

TEDx
TEDx

TED ist ursprünglich eine alljährliche Innovations-Konferenz in Kalifornien. Seit 2009 ermöglicht die TED auch unabhängigen Organisatoren, eigene Konferenzen unter dem Namen TEDx zu veranstalten. Unter dem Motto „ideas worth spreading“ („Ideen, die es wert sind, verbreitet zu werden“) haben Vortragende 18 Minuten Zeit, ihre Idee emotional, persönlich und ansprechend zu präsentieren. Die Vorträge werden aufgezeichnet und im Internet veröffentlicht. Die Sprecher reichen von Wissenschaftlern über Unternehmen, Aktivisten, Designern und Künstlern.[6]

Fußnoten:
[1]
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für alle Geschlechter.
[2] http://barcamp-kiel.de/was-ist-ein-barcamp/
[3] http://pechakucha.de/berlin/about/
[4]
http://www.agonda.de/open-space/open-space.html
[5] https://www.goethe.de/resources/files/pdf1/pk5793988.pdf
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/TED_(Konferenz)#TEDx

Der Autor:
Profilbild Lars-Erik Jansen hat einen Bachelor of Science in Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Begleitstudium Angewandte Kulturwissenschaften. Er ist derzeit Volontär als Kreativ-Konzeptioner bei „CB.e agentur für kommunikation“ in Berlin.

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