treibhaus sieht`s anders – Folge 1

“Go digital, you are native!“HAMBURG, GERMANY - MAY 22:  Elke Klinkenhammer at ADC procreation congress during the fourth day of the ADC Festival 2015 on May 22, 2015 in Hamburg, Germany.  (Photo by Joern Pollex/Getty Images for ADC Festival) *** Local Caption *** Elke Klinkenhammer Elke Klinkhammer  –  Photo by Joern Pollex/Getty Images for ADC

Beim ADC Nachwuchs-Kongress Mitte Mai in Hamburg ging`s um digitale Kommunikation. Neun internationale Experten präsentierten ihre Sicht der Dinge, zeigten interessante Cases und gaben gute Ratschläge.  Die treibhaus0.8-Volontäre waren dabei . Und sehen manches anders.
Hier ein Statement von Niklas Sanders, Agentur facts and fiction und Johanna Maasackers, Agentur Voss + Fischer, zum Vortrag von Elke Klinkhammer, CCO bei McCann World Group German, mit dem Titel „Connected everthing. Die Zukunft ist bereits Gegenwart“

Editorial use only in direct correlation with Deutsche Telekom AG. / Nur zur redaktionellen Verwendung im direkten Zusammenhang mit Diensten der Deutschen Telekom AG M2MDieses Kälbchen wurde per SMS angekündigt.  Foto: Deutsche Telekom AG

Get disconnected by connecting everything?!
„Wäre es nicht schön hier vorne zu stehen und gleich zu wissen wie es euch (dem Publikum) geht?“  Die Eröffnungsfragestellung des Vortrags von Elke Klinkhammer. Ich schaue ins Publikum. Irgendwelche Anzeichen von Interesse – Desinteresse, Verständnis – Unverständnis, Zustimmung – Ablehnung? Sie fährt fort und erklärt wie einfach es doch wäre, dies zu erfahren, wenn die Sitzmöbel im Vortragssaal diese Informationen abfragen und ihr gleich anzeigen würden. Na, aber wir sitzen doch direkt vor Ihnen, denke ich mir. Das Publikum zeigt Ihnen die Informationen doch ganz genau an. Alles, was es braucht, ist die menschliche Fähigkeit, unsere Haltung, Blicke und Gesichter zu lesen.

16.03.2015 Hannover CeBIT 2015 Messestand Deutsche Telekom AG / Vernetzter Rasierer Editorial use only in direct correlation with Deutsche Telekom AG. / Nur zur redaktionellen Verwendung im direkten Zusammenhang mit der Deutschen Telekom AG / Persoenlichkeitsrechte sind nicht abgekaert!
Smarter Rasier…bestellt neue Rasierklingen einfach per Knopfdruck.  Foto: Deutsche Telekom AG

Kurze Filmeinspieler und Bilder folgen:  Intelligente Temperaturregelungen, Zahnbürsten, die Informationen abfragen und Systeme, die mein Haus überwachen. Alles ist miteinander verbunden und sammelt Informationen über die Nutzer dieser „smarten Devices“.  Eine Expertin für die digitale Vernetzung unserer Welt treibt innovatives Denken  voran und verändert das Konsumverhalten ganzer Branchen, zeigt wie man bedeutsame Beziehungen zwischen der digitalen Welt und den menschlichen Bedürfnissen entwickelt. So wurde die Vortragende angekündigt. Ich frage mich, ist das die richtige Richtung? Sind es menschliche Bedürfnisse, die so bedient werden?
Und wen interessieren die abgefragten Informationen wirklich? Stichwort gläserner Mensch. Sind wir heute schon bereit,  mit diesen Informationen vernünftig umzugehen? Können wir unsere Privatsphäre, Individualität und Freiheit schützen, wenn wir bereitwillig alle Informationen über unser Leben preisgeben? Oder ist dies der erste Schritt in Richtung „menschlicher Einheitsbrei“? Wir streben nach Individualität und sollen Apps nutzen, die uns sagen, wie lange unser Körper noch laufen kann? Wir wollen frei sein, eigene Wege gehen und machen uns abhängig von smarten Devices, die uns zeigen, wo es lang geht?
hausnotruf
Hausnotruf 2.0 … reagiert auf Hilferufe, Klopfzeichen oder Knopfdruck und holt bei Bedarf Hilfe. Foto: Deutsche Telekom AG

Wenn uns ein Sitzmöbel sagen muss, wie es dem darauf Sitzenden geht, wird dann Kommunikation von Mensch zu Mensch, Empathie und Selbstständigkeit überflüssig? Wofür brauchen wir dann noch die Fähigkeit,  Persönlichkeitsmerkmale, Gedanken, Emotionen und Gefühle anderer erkennen und verstehen zu können? Freude, Mitleid, Hilfsimpulse intuitiv zu verspüren ist also nicht mehr zeitgemäß? Zukunft bedeutet also, dass ich zunächst meine Armbanduhr befrage, wie die Situation zu verstehen ist, bevor ich handle?

Freigabe nur fuer interne redaktionelle Verwendung ! Keine Freigabe fuer Werbung oder externe Veroeffentlichung !  22.08.2014 Koblenz Reportage vernetztes Fahrrad/Connected Bike // Zusammenbau und Test des Prototyps bei Canyon BicyclesVernetztes Fahrrad …. misst den Puls, zählt die Kilometer und zeigt den Weg. Foto: Deutsche Telekom AG

Nach dem Vortrag tauschen wir uns aus über das eben gehörte. Ein treibhaus 0.8-Kommilitone  sagt: „Stellt  euch folgende Situation vor:  Es ist Winter. Ich komme nach Hause. Mist, ich hab das Fenster aufgelassen. Schnell zu machen. Heizung an,  die Jacke behalte ich noch an. Nach ein paar Minuten wird es warm, ich zieh meine Jacke aus, setz mir einen Tee auf und nehme mir die Wolldecke vom Ende des Sofas. Die aufkommende Wärme gibt  mir ein gutes Gefühl. Der Zustand des Frierens verflüchtigt sich. Was ist, wenn in meinem Alltag nun alles miteinander vernetzt wäre? Dann würde ich in meine Straße einbiegen, die Garagentür erkennt mein Kommen und öffnet sich automatisch. Der Aufzug wartet bereits auf mich. Ich komme bei angenehmer Raumtemperatur in meine Wohnung. Ich setze mich vor meinen Fernseher,  und Netflix hätte natürlich bereits einen Film, individuell für mich ausgewählt.“
Aus Fehlern lernt man doch, oder? Was ist aber, wenn wir keine Fehler mehr machen, weil diese durch technische Devices ausgemerzt werden? Auf wen sollen wir hören? Auf das, was uns unser Körper sagt, unsere Intuition oder unser Bauchgefühl, oder doch lieber auf das, was unser speziell für diesen Fall entwickeltes smart Devise dazu meint? Wir wollen uns selbst optimieren, ohne zu wissen, warum wir etwas fühlen oder vergessen und dann aus der Situation lernen? Oder wird es bald auch überflüssig, Neues zu lernen? Ziemlich langweilig und sinnentblößt. Vielleicht sogar eine etwas schaurige Vorstellung.

Dr. Germar Buengener wendet die intelligente Stromablesung E-Metering zuhause und in der Arztpraxis im Rahmen des T-City Projekts der Deutschen Telekom AG in Friedrichshafen an. 31.1.2009. Verwenden nur im Originalzusammenhang des Auftrages.Elektronischer Stromzähler. Smart Metering macht den Verbrauch von Haushaltsgeräten transparent. Foto: Deutsche Telekom AG

Wenn also menschliche Bedürfnisse, dann doch richtig und sinnvoll! Vielleicht sollte unsere Kleidung uns die Gefühle mitteilen, die die Menschen verspürt haben, als sie sie fertigten? Vielleicht schaffen wir dann ein sinniges neues Konsumverhalten der Branche? Oder vielleicht setzen wir diese Technologien ein, um Menschen zu helfen, die auf Grund von körperlicher Eingeschränktheit nicht die Möglichkeit haben, uns ihre Gefühle und Gedanken mitzuteilen. So würde man ihnen ein Stück weit mehr Unabhängigkeit schenken. Es gibt bestimmt viele Wege, diese Technologien gut durchdacht und relevant zu nutzen. Eine Zahnbürste, die Informationen über uns abfragt,  ist dies bestimmt nicht. Wir sind uns einig: „connect everything“  macht uns so überhaupt gar nicht „jealous“.

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Ein Gedanke zu „treibhaus sieht`s anders – Folge 1

  1. Sebastian Bruch

    Der Vortrag war sicher als versteckte Promotion für den neuen Terminator 4 gedacht.

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