Archiv des Autors: annettebeyer

Bis einer heult.

„Wenn die Ostkurve im Stadion geschlossen heult – ist genau das die Leidenschaft, die uns
immer wieder antreibt, Events zu inszenieren. Wir wollen große Emotionen wecken. Sie live
erleben und einfangen. Aber heute geht es um die handfeste Umsetzung.“
Eröffnungstrailer vorbei. Licht an. Der Redner betritt die Bühne. Diesmal: Lienhard Schäfer,
freier Ablaufregisseur und Profi darin, Ostkurven durch reibungslose Abläufe zum Heulen zu
bringen. Vor Glück natürlich. Alles andere wäre ja auch Quatsch, oder?
Nee, eben nicht! Vom kleinen Fauxpas bis zum Super-GAU ist in der Eventinszenierung im
Raum – wie man es nicht macht – einiges drin. Da reicht schon ein „Mensch, Klaus, zwei
Jahre nicht gesehen“, mitten im zu eng geplanten Eingangsbereich. Oder der gute alte
Kniefall am Nachbartisch, weil man sich vor lauter Gala-Bestuhlung sitzend überhaupt nicht
unterhalten kann. Vom mal wieder nicht fallenden Kabuki-Vorhang, weil der mit dem Knopf
natürlich woanders steckt, wollen wir gar nicht erst anfangen. Lienhard Schäfer weiß, was
mit Raum- und Bühnengestaltung, Licht- Ton- und Medieninszenierung so alles geht – oder
eben schiefgeht. Bis einer heult.

Der größte Saal  in der historischen Stadthalle Wuppertal

„Damit euch das nicht passiert: Checkt selbst die Location. Fühlt den Raum. Und kriegt ein
Gespür für die Baustelle“, rät er uns noch, bevor wir den Meeting-Raum der Agentur Vok
Dams gegen den imposanten Charme der historischen Stadthalle Wuppertal eintauschen.
Die Aufgabe: Location-Check und Ablaufplanung für eine Award-Verleihung. Zeigen, dass wir verstanden haben, wie wir Raum sinnvoll und angemessen nutzen. Damit aus Besucher-Flow kein Gäste-Stau wird. Denn nur die richtige Planung aller Details lässt die Gesamt-Inszenierung wirken. Schafft Platz für die bewegenden Momente voll großer Emotionen. Bis einer heult. Vor Glück, versteht sich.

Die Autorin
Irene Menke studierte Event-Management & Entertainment. Sie ist zurzeit Konzeptionsvolontärin bei der Agentur CB.e in Berlin.

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Eine Gold-Idee fällt nicht vom Himmel.

Selbst dann nicht, wenn dein Name Christoph Niemann ist, du bereits 27 Cover des New Yorker illustriert hast und zu einem der gefragtesten Illustratoren weltweit zählst.
Am Ende des zweiten Kongresstages auf dem ADC Festival 2018 beschreibt Niemann Kreativität als Prozess, der niemals als gerade Linie verläuft, sondern drei Schritte nach vorne, zwei zurück und nochmal drei Runden im Kreis nimmt, bevor die gewünschte Idee ausgespuckt wird.
Seine Beschreibung des Kreationsprozesses kennen wir aus unserem Alltag als Konzeptioner mittlerweile allzu gut und erinnern uns an unseren Workshop in Berlin zur Ordnung des kreativen Chaos. Es ist ermutigend zu hören, dass auch ein ADC Ehrenmitglied erst einmal auf die Jagd gehen muss, bevor die nächste gute Idee um die Ecke kommt und sich auf dem berühmten weißen Blatt Papier wiederfindet.
… aber wie? Antwort letzte Zeile!

Unter dem Titel „Neue Bilder“ spricht Niemann zunächst über neue Bildwelten. Mit dem Weltgeschehen entwickelt sich auch die Bildsprache des Publikums ständig weiter und macht Bilder oder Symbole auf andere Art lesbar. In der Kreation seiner Illustrationen ist es Niemann wichtig, den Betrachter durch eine knappere Darstellung mehr ins Bild holen, ihn dazuzukriegen seinen Denkapparat anzuschalten, alles nicht Sichtbare zu hinterfragen oder mit der eigenen Fantasie zu füllen. Niemann spricht aber auch darüber, wie er auf neue Ideen kommt und den New York Marathon nicht nur gelaufen ist, sondern währenddessen in 46 Illustrationen festgehalten hat, da er zuvor das Gefühl hatte, alle persönlichen Geschichten bereits erzählt zu haben.

Den Kreativen im Raum rät Niemann, sich 20% ihrer Arbeit mit Dingen zu beschäftigen, die nichts mit ihrer eigentlichen Arbeit zu tun haben. Klingt unmöglich und genial zugleich.
Aus dem Publikum kommt zum Abschluss die Frage nach einem Ratschlag an den jungen Nachwuchs. „Üben. Üben. Üben“, ist die Antwort des Illustrators. Klingt so simpel, dass es schon wieder genial ist.

Die Autorin:
stefanie hetzel Stefanie Hetzel ist ausgebildete Gestalterin für visuelles Marketing und absolvierte den Bachelorstudiengang Marketing an der Hochschule Ludwigshafen. Aktuell arbeitet sie als Konzeptionsvolontärin bei der Stuttgarter Agentur Full Moon.

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Bis der Arzt kommt

Erst Kalauer und Lebenshilfe, dann Kritik an der Werbebranche: Dr. Eckart von Hirschhausen sprach auf dem Festival des Art Directors Club Deutschland (ADC). So richtig passt er da nicht rein: Dr. Eckart von Hirschhausen steht mit Zauberstab und Plüschpinguin auf der Bühne. Aber thematisch? Zuvor hatte Andrew Keller, Global Creative Director bei Facebook, darüber gesprochen, wie sich Werbung noch zielgruppenspezifischer — also effektiver — in Soziale Netzwerke einbinden lässt. Später würde der Neurowissenschaftler Moran Cerf einige Tipps geben, wie sich Konsumenten „hacken“, also: wie sie durchschaubarer werde und sich dadurch besser beeinflussen lassen. Und da meinte ein wenig begeisterter Hirschhausen, dass umgedacht werden muss: „Weil wir ständig kaufen, was wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“
 
Wachstumseuphorie? Nicht mit diesem Doc. Viel ist nicht immer gut und mehr nicht besser. Das einzige große Wachstum im menschlichen Körper sei: Das von bösartigen Krebszellen. Also müsse die New Economy grundlegend hinterfragt werden. Das sind durchaus mutige Worte vor einem Publikum aus Gästen, die eben diesen Job haben: Etwas zu verkaufen. Wenn Hirschhausen also gezielt auf die Markenerneuerung der Lufthansa eingeht, die er nicht nachvollziehen kann, die ihn eher abstößt (Warum nach Timbuktu reisen, wenn man noch nicht einmal die Umgebung seines Wohnortes so richtig kennt?) — dann wird er zum einzigen Speaker des Festivals, der aneckt und kritisiert. Auch mit der großen Sinnfrage: Was macht ihr hier überhaupt?
 
Antwort: Dem Doktor zuhören, der ein wenig therapieren möchte. Der davon abrät, andauernd stumpf ins Smartphone zu glubschen, um mal besser das Gegenüber im Bus zu bewundern. Der nichts schlimmer findet als starre Hierarchien, die keinen Raum für Kreativität lassen. Das sind zwar Standard-Ratschläge, die jeder gutheißt, vom Yoga-Lehrer bis zur Großmutter, die aber trotzdem (oder gerade deswegen) besonders gut im Publikum ankommen. Vielleicht auch, weil sich die Gäste dachten: Ach, da schau an, der spricht endlich aus, was ich mir den lieben langen Tag schon denke.
 
Der Autor:
Maximilian Ginter absolviert sein Treibhaus 0.8-Volontariat im Concept Development bei Jazzunique, Frankfurt. Er ist Master of Arts der Journalistik und Kommunikationswissenschaft.
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Ordnung macht den Meister – über das Strukturieren von Kreativ-Prozessen

Seien wir ehrlich: Wir Kreativen sind Chaoten. Auf dem Weg zur perfekten Idee biegen wir drei Mal rechts und zwei Mal links ab, drehen uns im Kreis und springen auch mal im Dreieck, wenn’s nicht so läuft.
Vor allem Letzteres kann durchaus frustrierend sein. Sonya Bouyakhf, Creative Director, und Fee Roth, Konzeptionerin, bei der Berliner Agentur insglück, wollen hier Abhilfe schaffen. Und zeigen uns in ihrem Workshop zum Thema „Wie strukturiere ich Pitch-Prozesse und Ideenfindung?“, wie man dem Chaos im Kopf Herr werden kann.
Aber fangen wir vorne an: beim Creative Brief. Der Creative Brief ist das Briefing aus Kreationssicht. Ohne Schnörkel, nur die Fakten: Wer ist der Kunde? Was will er erreichen? Und wie hoch sind unsere Gewinnchancen? 100% natürlich. Abgehakt, nächster Punkt.
In ihrem kurzen Theorieteil stellt uns Sonya den optimalen Workflow im Pitch vor: Auf Briefing und Kick-Off folgt das Brainstorming, anschließend erarbeitet jedes Teammitglied drei kurze Konzepte. Aus der Ideenflut werden ein oder zwei Kernideen ausgewählt und „rund“ gemacht. Vor der Präsentation heißt es üben, üben, üben. Und danach? Den Sieg feiern. So leicht, so gut.

Nach der Theoriestunde dürfen wir selber ran. Die Aufgabe: Eine „Innovation Celebration“ für 500 Mitarbeiter von Covestro, Bayer-Tochter und führender Werkstoffhersteller. Der Claim der Marke: We Make The World A Brighter Place. Die drei Markenwerte: Curious, Curageous, Colorful. Bunt und mutig also. Kriegen wir hin.

Die Autorin:

Kim Ermler hat in Köln, Hamburg und Bangkok Medienmanagement studiert. Seit November ist sie Volontärin bei der Agentur Uniplan.

 

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Event-Dramaturgie: Viele Wege führen nach Rom?

Fabian Frauendorf belehrt uns eines Besseren. Im Grunde genommen ist er einer von uns: Nach dem Theaterwissenschaftsstudium in Leipzig und Engagement am Theaterhaus Weimar fand Fabian Frauendorf mit dem ersten treibhaus 0.8-Jahrgang den Einstieg in die Agenturbranche. Seit 2009 arbeitet er für die Agentur OCCASEO, seit 2011 bereits als Chef-Kreativer. Zudem leitet er u.a. Workshops für Event-Dramaturgie, in dessen Genuss wir am letzten Tag unseres jüngsten Zusammenkommens in Berlin kamen. Bestehend aus Auftakt, Exposition, Vernetzung, Höhepunkt, Projektion, Schluss und Ausklang skizzierten wir einen (nicht nur für uns angehende Konzeptioner!) als essentiell zu betrachtenden Leitfaden, um erfolgreich durch eine Veranstaltung zu führen und die Emotionen unserer Besucher zu wecken. Was sollten wir also noch unbedingt vor der Anreise und Registrierung der Besucher auf unserem fiktiven Event beachten? Wo platzieren wir die Vorstandsrede – vor oder nach dem Lach-Yoga? Was ist SwarmGaming? Kann mir noch mal jemand die BuZZlesque-Show erklären? Ein Gastbeitrag von Sascha Lobo – muss das wirklich sein? Am Ende eines fordernden Vormittags steht eines fest: Alles der Reihe nach. Eine bunte Mischung aus abgestimmten Eventbausteinen im Rahmen eines stringenten, dramaturgischen Ablaufs sind die wesentlichen Werkzeuge zum Erreichen unseres gewünschten Kommunikationsziels. Am Ende behält Aristoteles eben doch Recht: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Die Autorin:
Lena Röttger ist ausgebildete Mediengestalterin. Sie studierte Kunstwissenschaft (BA) und Medienwissenschaften (MA) an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Derzeit ist sie Volontärin im Concept Development bei CB.e in Berlin.

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Das Haus – Statement zum zeitgenössischen Wohnen

Die internationale Möbelmesse, kurz imm cologne, gilt als eine der wichtigsten Einrichtungsmessen weltweit.  Jährlich zieht sie über 1.350 Aussteller in die Messehallen nach Köln, um die Trends der Branche dem Fachpublikum sowie interessierten Besuchern vorzustellen.
Auch ein Statement: Familie am “Lagerfeuer”

Angelehnt an die imm cologne findet zeitgleich der Design Parcours Ehrenfeld statt. Ausstellungen und Veranstaltungen zu aktuellen Tendenzen im Design, speziell im Interior Design, bringen das kreative Potenzial des Ehrenfelder Quartiers zum Vorschein. Auch die Treibhaus-Volontäre durften bei diesem Rahmenprogramm nicht fehlen!
Durch eine illustrative Einleitung in die Dramaturgie eines Messestandes durch Karsten Halbhuber, Architectural Designer bei Uniplan Köln, wurden wir sensibilisiert, uns nicht nur mit den Produkten, sondern viel mehr mit dem Konzept und Auftritt der einzelnen Messestände zu beschäftigen. Ob das Credo gilt, je mehr Budget zum Bau eines Standes zur Verfügung steht, desto ganzheitlicher das Konzept, wurde ebenso untersucht, wie die Frage, welche baulichen Merkmale entscheidend für das Besucheraufkommen auf dem Stand selbst sind.
Dabei bietet die Messe alles, was das Designer-Herz und den Geldbeutel begehrt. Die Luxusmarken trumpfen auf mit durchdachten Wohnlandschaften, die Lust machen sich neu einzurichten. Doch oftmals entscheidet nicht das Budget, sondern die Kreativität, mit wenig finanziellen Ressourcen ein ganzheitliches Konzept zu übersetzen.
Die treibhaus Studis mit Dozent Karsten Halbhuber im “Boudoir” der Designerin Lucie Koldova

Ein Highlight der imm cologne war „Das Haus“. Dieses Jahr wurde der tschechischen Designerin Lucie Koldova die Ehre zuteil, ein persönliches Statement zum zeitgenössischen Wohnen zu setzen. Diese Wohnhaus-Simulation aus Architektur, Interior Design und Möblierung konnten wir als Führung erleben. Was hat sich die Designerin bei einem nachempfundenen Lagerfeuer aus Lampen gedacht? Teilt jeder Besucher ihre Meinung, dass es einer Küche heutzutage für die moderne Frau nicht mehr bedarf, da sie keine Zeit mehr findet, hinter dem Herd zu stehen? Letztlich war es Koldovas großes Bestreben, ein Gleichgewicht im “Haus” zu schaffen und stressige Alltagssituationen hinter sich zu lassen.
Auch bietet die imm Cologne zahlreiche Vorträge an, die von Zuschauern besucht werden können. Von nachhaltiger und smarter Raumgestaltung im interkulturellen Kontext bis zu dem Vortrag „Gestaltungsmöglichkeiten mit Licht“, den wir letztlich besuchten. Wie gestalte ich mit Licht einen Raum, der dem Design und der Stimmung gerecht wird?
Am Ende geht es bei der Lichtsetzung, wie auch beim Messeauftritt, um die gelungene Art einer Inszenierung, die uns tagtäglich auf unterschiedlichste Weise in unserem Job und Berufsfeld begegnet.
Mit dieser Erkenntnis besuchten wir im Anschluss den Design Parcours und ließen den eindrucksreichen Tag im Herbrand‘s bei einem leckeren Kölsch ausklingen.

Die Autorin;
Stephanie Häkes hat eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation und einen Bachelor of Arts in Media: Conception&Production. Zurzeit ist sie konzeptionsvolontärin bei insglück Köln.

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