Archiv der Kategorie: 10. Jahrgang

Eine Gold-Idee fällt nicht vom Himmel.

Selbst dann nicht, wenn dein Name Christoph Niemann ist, du bereits 27 Cover des New Yorker illustriert hast und zu einem der gefragtesten Illustratoren weltweit zählst.
Am Ende des zweiten Kongresstages auf dem ADC Festival 2018 beschreibt Niemann Kreativität als Prozess, der niemals als gerade Linie verläuft, sondern drei Schritte nach vorne, zwei zurück und nochmal drei Runden im Kreis nimmt, bevor die gewünschte Idee ausgespuckt wird.
Seine Beschreibung des Kreationsprozesses kennen wir aus unserem Alltag als Konzeptioner mittlerweile allzu gut und erinnern uns an unseren Workshop in Berlin zur Ordnung des kreativen Chaos. Es ist ermutigend zu hören, dass auch ein ADC Ehrenmitglied erst einmal auf die Jagd gehen muss, bevor die nächste gute Idee um die Ecke kommt und sich auf dem berühmten weißen Blatt Papier wiederfindet.
… aber wie? Antwort letzte Zeile!

Unter dem Titel „Neue Bilder“ spricht Niemann zunächst über neue Bildwelten. Mit dem Weltgeschehen entwickelt sich auch die Bildsprache des Publikums ständig weiter und macht Bilder oder Symbole auf andere Art lesbar. In der Kreation seiner Illustrationen ist es Niemann wichtig, den Betrachter durch eine knappere Darstellung mehr ins Bild holen, ihn dazuzukriegen seinen Denkapparat anzuschalten, alles nicht Sichtbare zu hinterfragen oder mit der eigenen Fantasie zu füllen. Niemann spricht aber auch darüber, wie er auf neue Ideen kommt und den New York Marathon nicht nur gelaufen ist, sondern währenddessen in 46 Illustrationen festgehalten hat, da er zuvor das Gefühl hatte, alle persönlichen Geschichten bereits erzählt zu haben.

Den Kreativen im Raum rät Niemann, sich 20% ihrer Arbeit mit Dingen zu beschäftigen, die nichts mit ihrer eigentlichen Arbeit zu tun haben. Klingt unmöglich und genial zugleich.
Aus dem Publikum kommt zum Abschluss die Frage nach einem Ratschlag an den jungen Nachwuchs. „Üben. Üben. Üben“, ist die Antwort des Illustrators. Klingt so simpel, dass es schon wieder genial ist.

Die Autorin:
stefanie hetzel Stefanie Hetzel ist ausgebildete Gestalterin für visuelles Marketing und absolvierte den Bachelorstudiengang Marketing an der Hochschule Ludwigshafen. Aktuell arbeitet sie als Konzeptionsvolontärin bei der Stuttgarter Agentur Full Moon.

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Bis der Arzt kommt

Erst Kalauer und Lebenshilfe, dann Kritik an der Werbebranche: Dr. Eckart von Hirschhausen sprach auf dem Festival des Art Directors Club Deutschland (ADC). So richtig passt er da nicht rein: Dr. Eckart von Hirschhausen steht mit Zauberstab und Plüschpinguin auf der Bühne. Aber thematisch? Zuvor hatte Andrew Keller, Global Creative Director bei Facebook, darüber gesprochen, wie sich Werbung noch zielgruppenspezifischer — also effektiver — in Soziale Netzwerke einbinden lässt. Später würde der Neurowissenschaftler Moran Cerf einige Tipps geben, wie sich Konsumenten „hacken“, also: wie sie durchschaubarer werde und sich dadurch besser beeinflussen lassen. Und da meinte ein wenig begeisterter Hirschhausen, dass umgedacht werden muss: „Weil wir ständig kaufen, was wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“
 
Wachstumseuphorie? Nicht mit diesem Doc. Viel ist nicht immer gut und mehr nicht besser. Das einzige große Wachstum im menschlichen Körper sei: Das von bösartigen Krebszellen. Also müsse die New Economy grundlegend hinterfragt werden. Das sind durchaus mutige Worte vor einem Publikum aus Gästen, die eben diesen Job haben: Etwas zu verkaufen. Wenn Hirschhausen also gezielt auf die Markenerneuerung der Lufthansa eingeht, die er nicht nachvollziehen kann, die ihn eher abstößt (Warum nach Timbuktu reisen, wenn man noch nicht einmal die Umgebung seines Wohnortes so richtig kennt?) — dann wird er zum einzigen Speaker des Festivals, der aneckt und kritisiert. Auch mit der großen Sinnfrage: Was macht ihr hier überhaupt?
 
Antwort: Dem Doktor zuhören, der ein wenig therapieren möchte. Der davon abrät, andauernd stumpf ins Smartphone zu glubschen, um mal besser das Gegenüber im Bus zu bewundern. Der nichts schlimmer findet als starre Hierarchien, die keinen Raum für Kreativität lassen. Das sind zwar Standard-Ratschläge, die jeder gutheißt, vom Yoga-Lehrer bis zur Großmutter, die aber trotzdem (oder gerade deswegen) besonders gut im Publikum ankommen. Vielleicht auch, weil sich die Gäste dachten: Ach, da schau an, der spricht endlich aus, was ich mir den lieben langen Tag schon denke.
 
Der Autor:
Maximilian Ginter absolviert sein Treibhaus 0.8-Volontariat im Concept Development bei Jazzunique, Frankfurt. Er ist Master of Arts der Journalistik und Kommunikationswissenschaft.
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treibhaus kommt rum – diesmal: im IT-Campus von Bosch in Stuttgart

Digitales Storytelling live – eine interaktive Installation mit 128 vernetzten Mini-PCs für IT-affine Bosch-Mitarbeiter, die sich auf dem Weg zur Kantine schnell mal ein Bosch-Geschichtchen “erdaddeln” können.

Von Bits, Bytes und Bots – ein Rundgang durch das Foyer des neuen Bosch IT-Campus

Jeden Tag passieren rund 2.000 Mitarbeiter das Foyer des neuen Bosch IT-Campus im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach. Gestaltet hat es die Agentur Milla & Partner, dessen CD Tobias Kollmann uns am Freitagmorgen einen umfassenden Einblick in das Projekt gab.

Zielgruppen-relevante Interaktionen und markengerechte Ästhetik – Tobias Kollmann von Milla & Partner erklärt den treibhaus-Volontären sein Konzept für das Foyer des Bosch IT-Campus

Als „Visitenkarte des Unternehmens“ bezeichnet Kollmann die Eingangshalle. Ziel sei es gewesen, das Thema „Vernetzung“ räumlich erlebbar zu machen. „Vernetzung bedeutet Durchdringung und Überlagerung“, so Kollmann. Das erste Exponat bilden deshalb mehrere sich überlagernde Quader. Jeder von ihnen steht stellvertretend für einen der Geschäftsbereiche von Bosch, von der Waschmaschine bis zum Elektro-Roller. Auf den Inseln sind insgesamt 128 Mini-Computer, sogenannte „Bots“, installiert. Die kleinen Computer reagieren auf Annäherung und erzählen nach Twitter-Manier in 140 Zeichen Geschichten über die Projekte des IT-Campus. Die Mini-PCs sind aber nicht willkürlich auf den Quadern verteilt, sondern so miteinander vernetzt, dass bis zu vier Computer gemeinsam eine Geschichte erzählen. Lichtimpulse deuten dem Besucher an, welchen „Bot“ er als nächstes berühren muss, um den folgenden Teil der Story zu erfahren. Ein beständiges Klick-Geräusch, das von der Installation ausgeht, simuliert das Flickern von Bytes.

Auch die anderen Exponate überzeugten: Neben einer Wartelounge mit Flip Dot Wall, die Besuchern mit bunten Botschaften die Wartezeit versüßt, erregte vor allem der „Opinion Circle“ unsere Aufmerksamkeit. Die kreisrunde Wandinstallation veranschaulicht das Meinungsbild der Mitarbeiter zu verschiedensten Themen, von Unternehmensinterna bis zum Leibgericht. Jede Woche wird dazu auf einem Tousch-Screen eine andere Frage angezeigt. Die gesammelten Antworten werden dann in einen Farbcode übersetzt und an der Wand zum Leuchten gebracht.

Dass die Agentur Milla & Partner zu Recht als Experten für Kommunikation im Raum gehandelt werden, merkten wir spätestens bei einer anschließenden Führung durch die schönen Stuttgarter Agenturräume: So zeichnet die Agentur unter anderem für die Gestaltung zahlreicher EXPO Pavillions verantwortlich, von Hannover bis Shanghai.

Bei Kaffee und Butterbrezeln gab uns CEO Peter Redlin abschließend einen Einblick in aktuelle Projekte der Agentur. Das einhellige Fazit am Ende des Tages: Trotz FAMAB-bedingtem Schlafdefizit hatte sich dieser Ausflug in die Welt der „Unternehmenskommunikation im Raum“ mehr als gelohnt.

Die Autorin:

Kim Ermler hat in Köln, Hamburg und Bangkok Medienmanagement studiert. Seit November ist sie Volontärin bei der Agentur Uniplan.

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treibhaus macht schlau – diesmal: Event-Konzeption meets Design Thinking

Das wird spannend, Piet!

„Betriebsrente für Berufseinsteiger live erlebbar machen“, lautet unser erstes Briefing im Auftakt-Workshop „Event-Konzeption powered by Design Thinking“. Hochmotiviert starten wir unter der Leitung von treibhaus 0.8-Gründerin Annette Beyer in den Räumen der Berliner Agentur CB.e in die Teamarbeit. Natürlich haben wir alle schon mindestens eine Idee im Kopf. Doch schnell stellen wir fest: Die Aufgabe ist harter Tobak, denn was ist eigentlich das Kommunikationsziel? Wie wird so ein trockenes Thema spannend? Was genau wollen wir erreichen? Und bei wem überhaupt? Denn da ist ja noch Piet. Piet? Fiktiver Repräsentant unserer Zielgruppe, 25 Jahre alt, Millennial, digital Native, reist viel, weiß viel, schmeißt viel mit seinem ersten Gehalt um sich. Piet denkt an vieles, nur nicht an Betriebsrente. Und genau ihn müssen wir für das Thema gewinnen! Wir brauchen eine Strategie!

Sieht mühsam aus, ist unvermeidlich und kann sogar Spaß machen: die Strategie

Jetzt geht es ans Konzeptioner-Handwerk. Die richtigen Fragen zu stellen, das Thema und die Aufgabe wirklich zu verstehen, ist gar nicht so einfach. Wir lernen, bei der Zielgruppe so genau hinzusehen, dass wir ihre Bedürfnisse fast besser kennen, als sie selbst. So erarbeiten wir uns mit Hilfe der Design Thinking Methode und geballtem Teamwissen eine zielgerichtete, lösungsorientierte Strategie, die den Teilnehmer in den Mittelpunkt stellt. So präzise und simpel, dass sie uns am Ende des zweitägigen Workshops zu DER Idee führt. Und diese Idee hat fast nichts mehr mit der ursprünglichen zu tun – sie ist viel besser! Sie passt auf eine Streichholzschachtel und ist die perfekte Grundlage für den nächsten Teil des Workshops. In dem lernen wir dann, wie unsere Super-Idee zu einer erlebbaren Gesamtinszenierung wächst – das wird spannend, Piet!

Die Autorin:
Irene Menke studierte Event-Management & Entertainment. Sie ist zurzeit Konzeptionsvolontärin bei der Agentur CB.e in Berlin.

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treibhaus macht Spaß – diesmal: moodboards


Der 10. Jahrgang startet durch
Der Startschuss für den 10. Jahrgang des Treibhaus 0.8 wurde letzten Freitag in Berlin abgefeuert. Gleich neun angehende Konzeptioner trafen sich in den großzügigen Räumen der Agentur CB.e in Berlin, um gemeinsam in ein einjähriges Kreativabenteuer zu starten. Unter Anleitung des treibhaus-Absolventen und Junior Konzeptioners Jimmy-Can Taymus gestalteten die neuen Treibhäusler erste Moodboards, die nicht nur persönliche Inspirationsquellen aufzeigen sollten, sondern auch die so diversen Werdegänge der kreativen Horde. So sieht er aus, der 10. Jahrgang am treibhaus 0.8:  9 Moodboards von 9 höchst kreativen Persönlichkeiten

Fotos: CB.e  – Text: Clarissa Walter

 

 

 

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