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Kongress muss nicht langweilig sein – Inspirierende Raum-Inszenierungen beim BrandEx 2019

Die Organisatoren entschieden sich für ein (barrierefreies!) Ein-Raum-Konzept für beide Eventteile, so dass Kongress und Award-Feier nahtlos ineinander übergehen konnten. In der Halle 3 des Dortmunder Messe-Komplexes leitete ein überdimensionaler roter Teppich die Teilnehmer von der Straße aus durch einen Light-Tunnel, vorbei an der Pappen-Ausstellung der nominierten Projekte und einer riesigen Weltkugel, zur Mitte der Fläche. Hier befanden sich die  überdimensionale LED-Wand der Hauptbühne und die beiden Keynote-Lounges 1 und 2.
 
Zu allen Seiten hin wurde die Main Area von den 6 kleineren Themenflächen umringt, die geschickt durch Mobiliar  oder Teile der jeweiligen Bühnenwände und Food-Stations vom großen Saal abgetrennt, und trotzdem einladend offen platziert wurden. Die akustische Herausforderung wurde dabei durch die Ausgabe von Audiogeräten an jeden BrandEx-Besucher gelöst, was ich als sehr angenehm empfand.
Jeder der 6 kleineren Themen-Areale war inhaltlich passend auf das entsprechende Programm gestaltet worden. Die Fresh-Stage ahmte zum Beispiel einen „Backstage“ nach: Das Bühnenbild zeigte eine Aufnahme vom Blick hinter der Bühne in einen bestuhlten Konzertsaal, man saß auf Holzwürfeln und an der Food-Station lagen Smoothies und Früchte zur Stärken bereit.
Die Urban Stage ahmte mit einem Sofa und Lampenschirmen den Look eines typischen Wohnzimmers nach, Nature Stage war mit Holzsitzmöbeln und Pflanzen wie eine Indoor-Garten gestaltet und in der Future-Area lud eine interaktive VR-Ausstellung zum Erkunden ein.
  
BrandEx / Socialmediafotograf Ronny Barthel / Dirk Hasskarl Fotografie
Über die gesamte Halle verteilt standen Getränke-Kühlschränke bereit, aus denen sich die Teilnehmer bedienen konnte, es gab den obligatorischen „Agentur“-Kicker und sogar einen BrandEx-Selbstbedienungs-Späti – hier merkte man einmal mehr, dass die BrandEx-Organisatoren selbst Teil der Event-Branche sind – ihr gewähltes Raumkonzept strahlte eben diese Lockerheit und das „Unter-sich-zu-sein“-Mentalität aus, zeigte andererseits die große Bandbreite unserer multidisziplinären Branche und zahlte trotz der begrenzten Finanzmittel gekonnt und liebevoll gestaltet auf die einzelnen Kompetenzfelder ein. Für mich eine rundherum sehr gelungene Rauminszenierung.
Isabell Rütten, Studentin am treibhaus 0.8

BrandEx / Socialmediafotograf Ronny Barthel / Dirk Hasskarl Fotografie
Die Keynote Lounge 1 präsentiert sich offen auf der Fläche der Mainarea. Trotz des offen gehaltenen Setups, grenzt sie sich durch hohe Sitzmöbel am Rand und eine kleine Erhöhung der Fläche klar ab. Man fühlt sich nicht, wie bei den anderen Bereichen, in eine andere Welt versetzt und wird häufig durch Einflüsse um diesen Bereich herum abgelenkt. Die Lounge war insgesamt sehr schlicht gestaltet und es fehlte leider der Charme und die Atmosphäre, die bei den anderen Bühnen zu finden war. Für die Abendveranstaltung wurde die Keynote Lounge in eine Lounge für Award-Nominierte umgewandelt. Hierfür wurden die hohen Möbel am Rand und die Leinwand entfernt, die grauen, gepolsterten Stühle in der Mitte blieben stehen. Der Bereich wurde jedes Mal, sobald die nominierten auf die Bühne gerufen wurden, mit Spotlights beleuchtet.
Tristan Rebischke, Student am treibhaus 0.8

 

 

BrandEX 2019 – Willkommen im fresh Areal!

Dieser Bereich widmete sich speziell dem kreativen Nachwuchs. Neben dem Fresh Award, bei dem Berufseinsteiger, Junioren und Studenten ein Ausrufezeichen in der Branche hinterlassen konnten, lud das Fresh Areal dazu ein Spaß zu haben und bot eine Spielwiese für kindliche Gedanken. Initiiert und konzipiert wurde dieser Bereich unter anderem von Kai Janssen, freier Konzepter und Preisträger des BrandEx Awards. Gegen jede Erwartung stahlen kleine Spiele wie das “Blind Date as an employer”, besser bekannt als das TV-Showformat “Herzblatt”, ein Modellbau-Workshop mit Christine Hartwig zum Thema Scenography und eine Vielzahl an Agency Pitches anderen Bühnen die Show. Zu jedem Zeitpunkt ausgelassene Stimmung und ein bemerkenswertes Auditorium hat Eindruck hinterlassen, nicht nur beim Nachwuchs, sondern auch bei den Etablierten der Branche.
       
Copyright: BrandEx / Socialmediafotograf Ronny Barthel / Dirk Hasskarl Fotografie
Anstehen zum Agentur-Pitch! Um die Gunst des Nachwuchses bemühten sich u.a. diese Kreativ-Chefs: Andreas Horbelt von facts+fiction, Simon Stahl von Marbet und Christopher Werth von VOK DAMS. (Bild unten rechts, v.l.n.r.) Das Publikum hat`s gefreut. Das treibhaus 0.8 auch!

Für uns Treibhäusler war ein Klassentreffen der ehemaligen Studenten ein besonderes Schmankerl. An dieser Stelle danke für die Organisation, die Einladung und natürlich für die freshen Snacks, Getränke und Denkanstöße an die Veranstalter und Teilnehmer.


Copyright: BrandEx / Socialmediafotograf Ronny Barthel / Dirk Hasskarl Fotografie
treibhaus 0.8-Absolventinnen beteiligten sich aktiv und ehrenamtlich am Gelingen des BrandEx mit kreativen Workshops in der Fresh Area: Irene Menke und Kim Ermler aus dem letzten Jahrgang mit “Das kleine Kreativ-Handwerk – Vom Insight zur Idee” und Christine Hartwig, mittlerweile erfahrene Freelancerin und treibhaus-Dozentin mit ihrem Szenografie-Workshop THINK – BUILD – RECREATE.

 
Die Zukunft der Branche erwartet ein Feuerwerk an heranwachsenden Konzeptern – es wird unmöglich sein, sie zu übersehen.
Text: Karsten Göke,  treibhaus 0.8 Student
Bildunterschriften: Annette Beyer
Copyright alle Fotos: BrandEx / Socialmediafotograf Ronny Barthel / Dirk Hasskarl Fotografie

BrandEx-Awardshow und Aftershowparty – Party geht auch im Business

Bis zum Ende waren wir da. Auf der Aftershowparty des BrandEx-Award. Das soll was heißen.
Aber jetzt nochmal von vorne. Herausforderung: Preisverleihung. Wie unterhält man zweieinhalb Stunden lang ein Publikum, das dabei zusieht, wie andere Preise überreicht bekommen? Erste Maßnahme: Aljoscha Höhn. Eindeutiger Publikumsliebling der Live-Kommunikationsbranche. Er kennt sie alle beim Namen und reißt hier und da einen provokativen Witz, der die Vertrautheit mit dem Publikum klarmacht. Außerdem bemühte Aljoscha Höhn sich stark um Schlagfertigkeit. Das ist wohl einer dieser Soft Skills der Moderatoren. Hast du gut gelernt, Aljoscha! Nun hatten wir also schon einmal den besten Moderator, den sich das Publikum nur vorstellen konnte.
Moderator Aljoscha Höhn präsentiert die Doppel-Gewinnerin Petra Lammers von Onliveline (Bild links) und die Gewinner der
neuen Nachwuchs-Kategorie fresh.

Während der Auszeichnung der besten Events des Jahres 2018 war ich besonders aufmerksam, weil wir die Einreichungen bereits einen Tag vorher im treibhaus-Workshop begutachten und bewerten durften. Ich zähle in diesem Text keine Gewinner auf. Diese können der BrandEx-Webseite entnommen werden. Mir ist aufgefallen, dass wir in der „treibhaus-Klasse“ andere Platzierungen verteilt haben als die Jury. Das kann nun zum einen an unserem noch wenig geschulten Auge liegen, oder auch einfach daran, dass die Bewertung doch eher subjektiv ist. Ein CD, dessen Profession in Richtung Raumgestaltung geht, bewertet dasselbe Event womöglich mit einem anderen Fokus, als einer, der beispielsweise verstärkt auf Dramaturgie und Storytelling achtet. Dementsprechend denke ich, dass die, die keinen Preis erhalten haben, gar nicht traurig sein müssen. Das bedeutet nämlich nicht, dass sie keinen Preis verdient haben. Also, macht euren Erfolg weniger von Preisen als von unterhaltenen, proaktiven und beeindruckten Adressaten abhängig. Und an alle Gewinner: Herzlichen Glückwunsch! Nun habt ihr einen weiteren Indikator dafür, dass ihr euren Job toll macht.


Die treibhaus-Community vor der Gewinnerwand: Unsere Partner-Agentur insglück holte gleich 4 Awards, unser neuer Partner onliveline holte 2, Absolvent Stani Tellow den ersten Award für Nachwuchs-Freelancer, und Dozent Kai Janssen mit Matt Circus Gold und Bronze. (im Uhrzeigersinn) Außerdem gratulieren wir unseren Frankfurter Partner-Agenturen Voss+Fischer und Jazz Unique! Kein Foto gefunden. Wo wart ihr denn?

Nachdem alle Preisträger gekürt und gefeiert waren, durfte man sich wieder Alkohol von der Bar holen und sich von den kulinarischen Künsten der Branchen-Caterer beeindrucken lassen. Ich aß eine hawaiianische Poké Bowl mit Tofu und danach einen Süßkartoffel-Gemüsestrudel. Dann noch einen vegetarischen Burger und ein entzückendes Dessert aus Schokolade, Früchten und Kokosnuss-Eis, serviert in einer Kokosnussschale. Besonders das Dessert hat mich glücklich gemacht. Es hat mir nämlich die Entscheidung zwischen Eis, Schokolade und Früchten abgenommen. Und auch sonst war jedes Gericht vorzüglich. Ach ja, die Portionen waren klein, sodass man möglichst viel Verschiedenes essen konnte. Das war toll! Bei dem Dinner wurde – soweit ich das beurteilen kann – nur wiederverwertbares Geschirr und Besteck ausgegeben. Danke für den kleinen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit!

 
Immer wieder das  Beste, das die Event-Branche für Magen und Tanzbein zu bieten hat: Die Caterer vom Verband LECA und die Partyband GOODFELLAS.

Nun zur Party: Hier sind die Organisatoren kein Risiko eingegangen und haben die beliebteste Band der Branche gebucht: die „Goodfellas“. Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass die Band auf eine Gage verzichtet hat. Diese sehen sie dann wohl in neuen Aufträgen durch ihre Show beim BrandEx wieder. So gesehen war das ein Promo-Auftritt. Ein sehr cooler Promo-Auftritt. Die Band hat während des Dinners schon angefangen zu spielen. Meine Aufmerksamkeit galt in der ersten halben Stunde nur dem Essen. Als ich dann satt war, hörte ich hin, und nach ein paar Songs zogen sie mich mit „Will Smith – Prince von Bel Air“ auf die Tanzfläche. 20 Minuten lang haben sie dann nur Hip-Hop und R’n‘B Songs gespielt: von Eminem bis Destiny’s Child. Das Besondere an den „Goodfellas“ ist, dass sie sich für kein Genre entschieden haben, sondern einfach alles Gängige top performen: Pop, Soul, Hip Hop, R’n’B und Rock. Mit ihrer antreibenden Charts-Musik und konsequenter Partyanimation holten sie dann auch den letzten Muffel irgendwann auf die Tanzfläche. Ich habe jedenfalls eher wenige Menschen gesehen, die ihren Business-Stock nicht aus dem Arsch bekommen haben. (Entschuldigen Sie die Ausdrucksweise!)

Voll die Party-Tiere – Der halbe aktuelle treibhaus-Jahrgang mit “Chefin” irgendwann morgenscopyrigt treibhaus 0.8

On Top, und sozusagen als Schmankerl, gab es zwischendrin eine heiße Barkeeper-Cocktailmix-Show. Tanzend, hüpfend, stemmend, jonglierend und animierend mixten zwei erfahrene und talentierte Barkeeper-Tänzer Cocktails für das Partyvolk. Dabei gossen sie unter anderem ein darstellerisch gemixtes Gemisch aus Vodka und irgendwelchen Säften in einen Gläserturm, der von einem der beiden Showmen durch eine Stange in seinem Mund, auf der das Tablett mit den Gläsern befestigt war, balanciert wurde. Ihr könnt Euch also vorstellen, wie originell das war. 15 Minuten lang genoss ich die coolste Bartender-Performance meines bisherigen Lebens und am Ende hatte ich was zu Trinken. Was will man mehr?
Zur Party wurde die Veranstaltung für mich spätestens mit Will Smith. Auch vorher ließ ich mich von der entspannten Atmosphäre mitreißen und von dem Essen begeistern. So etwa um halb 4, eine halbe Stunde nachdem die Musik ausging, wurden wir sehr nett und friedlich darum gebeten , uns zu verabschieden. Das taten wir dann auch, ein wenig wehmütig.

copyright alle Beitragsfotos ohne Vermerk: BrandEx / Socialmediafotograf Ronny Barthel / Dirk Hasskarl Fotografie,
Bildunterschriften: Annette Beyer

Die Autorin:
Anja Schwarz studierte Theater- und Medienwissenschaften und Ökonomie, bevor sie in einem Auslandspraktikum im Libanon erste Erfahrungen in der Konzeption und Durchführung von Jugendveranstaltungen zur Konfliktlösung sammelte. Sie hat ein Faible für Performancekunst und liebt das Tanzen. Ideenfeuerwerke zündet sie nun als Volontärin der Konzeption bei CB.e in Berlin.

Eine Gold-Idee fällt nicht vom Himmel.

Selbst dann nicht, wenn dein Name Christoph Niemann ist, du bereits 27 Cover des New Yorker illustriert hast und zu einem der gefragtesten Illustratoren weltweit zählst.
Am Ende des zweiten Kongresstages auf dem ADC Festival 2018 beschreibt Niemann Kreativität als Prozess, der niemals als gerade Linie verläuft, sondern drei Schritte nach vorne, zwei zurück und nochmal drei Runden im Kreis nimmt, bevor die gewünschte Idee ausgespuckt wird.
Seine Beschreibung des Kreationsprozesses kennen wir aus unserem Alltag als Konzeptioner mittlerweile allzu gut und erinnern uns an unseren Workshop in Berlin zur Ordnung des kreativen Chaos. Es ist ermutigend zu hören, dass auch ein ADC Ehrenmitglied erst einmal auf die Jagd gehen muss, bevor die nächste gute Idee um die Ecke kommt und sich auf dem berühmten weißen Blatt Papier wiederfindet.
… aber wie? Antwort letzte Zeile!

Unter dem Titel „Neue Bilder“ spricht Niemann zunächst über neue Bildwelten. Mit dem Weltgeschehen entwickelt sich auch die Bildsprache des Publikums ständig weiter und macht Bilder oder Symbole auf andere Art lesbar. In der Kreation seiner Illustrationen ist es Niemann wichtig, den Betrachter durch eine knappere Darstellung mehr ins Bild holen, ihn dazuzukriegen seinen Denkapparat anzuschalten, alles nicht Sichtbare zu hinterfragen oder mit der eigenen Fantasie zu füllen. Niemann spricht aber auch darüber, wie er auf neue Ideen kommt und den New York Marathon nicht nur gelaufen ist, sondern währenddessen in 46 Illustrationen festgehalten hat, da er zuvor das Gefühl hatte, alle persönlichen Geschichten bereits erzählt zu haben.

Den Kreativen im Raum rät Niemann, sich 20% ihrer Arbeit mit Dingen zu beschäftigen, die nichts mit ihrer eigentlichen Arbeit zu tun haben. Klingt unmöglich und genial zugleich.
Aus dem Publikum kommt zum Abschluss die Frage nach einem Ratschlag an den jungen Nachwuchs. „Üben. Üben. Üben“, ist die Antwort des Illustrators. Klingt so simpel, dass es schon wieder genial ist.

Die Autorin:
stefanie hetzel Stefanie Hetzel ist ausgebildete Gestalterin für visuelles Marketing und absolvierte den Bachelorstudiengang Marketing an der Hochschule Ludwigshafen. Aktuell arbeitet sie als Konzeptionsvolontärin bei der Stuttgarter Agentur Full Moon.

Bis der Arzt kommt

Erst Kalauer und Lebenshilfe, dann Kritik an der Werbebranche: Dr. Eckart von Hirschhausen sprach auf dem Festival des Art Directors Club Deutschland (ADC). So richtig passt er da nicht rein: Dr. Eckart von Hirschhausen steht mit Zauberstab und Plüschpinguin auf der Bühne. Aber thematisch? Zuvor hatte Andrew Keller, Global Creative Director bei Facebook, darüber gesprochen, wie sich Werbung noch zielgruppenspezifischer — also effektiver — in Soziale Netzwerke einbinden lässt. Später würde der Neurowissenschaftler Moran Cerf einige Tipps geben, wie sich Konsumenten „hacken“, also: wie sie durchschaubarer werde und sich dadurch besser beeinflussen lassen. Und da meinte ein wenig begeisterter Hirschhausen, dass umgedacht werden muss: „Weil wir ständig kaufen, was wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“
 
Wachstumseuphorie? Nicht mit diesem Doc. Viel ist nicht immer gut und mehr nicht besser. Das einzige große Wachstum im menschlichen Körper sei: Das von bösartigen Krebszellen. Also müsse die New Economy grundlegend hinterfragt werden. Das sind durchaus mutige Worte vor einem Publikum aus Gästen, die eben diesen Job haben: Etwas zu verkaufen. Wenn Hirschhausen also gezielt auf die Markenerneuerung der Lufthansa eingeht, die er nicht nachvollziehen kann, die ihn eher abstößt (Warum nach Timbuktu reisen, wenn man noch nicht einmal die Umgebung seines Wohnortes so richtig kennt?) — dann wird er zum einzigen Speaker des Festivals, der aneckt und kritisiert. Auch mit der großen Sinnfrage: Was macht ihr hier überhaupt?
 
Antwort: Dem Doktor zuhören, der ein wenig therapieren möchte. Der davon abrät, andauernd stumpf ins Smartphone zu glubschen, um mal besser das Gegenüber im Bus zu bewundern. Der nichts schlimmer findet als starre Hierarchien, die keinen Raum für Kreativität lassen. Das sind zwar Standard-Ratschläge, die jeder gutheißt, vom Yoga-Lehrer bis zur Großmutter, die aber trotzdem (oder gerade deswegen) besonders gut im Publikum ankommen. Vielleicht auch, weil sich die Gäste dachten: Ach, da schau an, der spricht endlich aus, was ich mir den lieben langen Tag schon denke.
 
Der Autor:
Maximilian Ginter absolviert sein Treibhaus 0.8-Volontariat im Concept Development bei Jazzunique, Frankfurt. Er ist Master of Arts der Journalistik und Kommunikationswissenschaft.

treibhaus macht schlau – diesmal: Der ADC Junior-Kongress 2017

„THINK TECH. THINK CREATIVE.“

Unter diesem Motto erlebten wir beim Junior-Kongress des ADC 2017  einen Tag lang halbstündige Vorträge von führenden Köpfen der Kreativ- und Digitalwelt und von spannenden Newcomern. Präsentiert wurden aktuelle Trends aus Werbung, digitalen Medien, VR/AR sowie Gesellschaft, Mobilität, UX/UI (User Interface und User Experience) , KiR,  Programmatic Creation und Tech.  Zu jedem Vortrag ein Dreizeiler der treibhaus-Volontäre:

Laura Rudolph, Agentur Vok Dams:
“Die beste Werbung ist gar keine Werbung”, behauptet Alexander Schill von der Serviceplangruppe in seinem Vortrag “Who gives a shit?”. Werbung müsse nämlich vor allem der Zielgruppe nutzen, etwas hinterlassen und die richtige Lösung auf das Problem des Kunden sein. Schill feuriges Plädoyer macht nachdenklich und lädt zum Umdenken ein. Wir sind gespannt, was wir von der Werbung in den kommenden Jahren erwarten dürfen. Sicherlich nur das Beste.

Christian Beder von der Agentur insglück:
„Designing the time of your life“ (Martin Oberhäuser / Bureau Oberhaeuser)
Wir sind umgeben von einer Flut aus Informationen.
Diese müssen aber gefiltert und aufbereitet werden, damit sie das Leben essentiell verbessern als auch vereinfachen können.
Martin Oberhäuser gelingt dies mit einer Kombination aus visueller Ästhetik und intuitiver Funktionalität außerordentlich gut.

Bildquelle: http://www.jaegermeister.de/de-de/home/
Eva Thinius von der Agentur Occaseo:
„Weekly Wahnsinn“ nennt sich die Kampagne der Digitalagentur LA RED, die sie für ihren Kunden Jägermeister kreierte. Maurer, ein Spezialist und Beobachter digitaler Trends, rät seinem Publikum: Kenne deine Zielgruppe, beobachte sie, lerne ihre Sprache und wisse, welche sozialen Plattformen sie nutzt. Die Auswahl der einflussreichen Influencer sei entscheidend. Was dabei hilft, sei ein Blick auf die Zielgruppenlandkarte, die Maurer nur wenige Sekunden später auf der hellen LED-Wand hinter sich, aufklappt. Auf dieser Landkarte sind Interessen und Nutzerverhalten der Zielgruppe von Jägermeister auf sozialen Plattformen zu verorrten. Hübsch aufbereitet, erhielt das Publikum des ADC Juniorkongresses Einblicke in das Daily Business einer erfolgreichen Digitalagentur.

Carlotta Löffelholz von der Agentur federfrei:
Ironie als Strategie? Wie Witz ganz ernsthafte Kommunikation macht, erklärte Peter Wittkamp, der u.a. für die heute-Show die Lacher textet und die BVG-Kampagne verbal betreut. Für die Humorlosen unter uns der wertvolle Tipp: Einfach zuhören, das Leben schreibt die besten Witze. Ab dann gilt aber, auch Humor ist ein Handwerk, das harter Arbeit bedarf!
 
Natalie Asmus von der Agentur PP LIVE:
Augmented, Mixed und Virtual Reality – Techniken, die uns die Darstellung & Wahrnehmung von erdenklich jeder virtuellen Umgebung in Echtzeit ermöglichen. Heute haben wir als Zmombies wenigstens nur das Smartphone in der Hand. In Zukunft läuft jeder nur noch mit seiner Hololens oder VR-Brille durch die Stadt – die Grenze zwischen reiner und virtueller Realität schwindet…

Paul Zürker von der Agentur federfrei:
In seinem Vortrag “Augmented Thrill Rides und die Zukunft von Location-Based VR” zeigt Thomas Wagner, wie aus universitärer Forschung verknüpft mit privaten Mitteln und Möglichkeiten Innovation entstehen kann. VR-Coaster entstand in Zusammenarbeit mit dem Europapark Rust. Dort wurden VR-Brillen in die Gondeln einer Achterbahn integriert, sodass die virtuelle Fahrt mit der realen körperlichen Erfahrung auf der Bahn verschmilzt. Das Produkt von VR-Coaster wird heute weltweit in diversen Freizeitparks angeboten. Thomas Wagner ist CEO und Gründer von VR-Coaster und Professor für Virtual Design an der Hochschule Kaiserslautern.

Michelle Schiffels von der Agentur GPJ:
Wie gutes interaktives Design gestaltet wird, zeigte Patrick deJong von Artificial Rome. Bei all den zahllosen technologischen Möglichkeiten, sieht er den menschlichen Aspekt in Form von beispielsweise händischem Zeichnen als immer wichtiger werdenden Faktor an. Denn so lassen sich unverwechselbare Erlebnisse mit eigener Handschrift kreieren, ohne dass der User von ultrarealen Bildern verwirrt wird.

Vanessa Peral von der Agentur CB.e:
Bis in die Salzwüste verfolgt Alexandra Lier ihren Traum von schnellen Autos und starken Bildern. Ihr aktuelles Projekt “The World fastest Film” steht ganz im Zeichen ihrer Leidenschaft.
Die Fotografin hinterlässt ein klares Plädoyer an die Junioren:
1. Entdecke deine Leidenschaft!
2. Verfolge deine Leidenschaft!
3. Teile deine Leidenschaft

Julia Knabbe von der Agentur Ce+Co:
Geir Ove Pedersen verbindet Schnappschüsse mit Comic-Elementen. Ursprünglich war es nur ein Hobby, heute ist er Snapchat Influencer mit über einer Million Klicks pro Tag. Auf dem ADC Junior Kongress erzählt er, wie alles dazu kam.

Last but not least, ein neues Vortragsformat: das ADC LAB
Hamburg neues Wahrzechen: die Elbphilharmonie
Sabrina Wesenberg von der Agentur Jazzunique:

“Turn haters into lovers” – Das war der Leitgedanke der Kreativen hinter dem Kommunikationskonzept für die Elbphilharmonie Hamburg. Im ADC Lab “Creating the Turn Around: Wie die Elbphilharmonie Hamburg zum Lieblings aller wurde” zeigte uns das Team um Jung von Matt und das Hamburg Marketing, wie sie genau dies schafften. Innerhalb von nur einem Jahr begeisterten sie mit vielen kleinen und großen Aktionen nicht nur die Hamburger Bevölkerung, sondern die ganze Welt und machten das umstrittene Bauprojekt zu einem “Konzerthaus für Alle”. Für das Team selbst wurde die Kommunikationskampagne zu einer Lovestory und so rissen sie die Teilnehmer des LABs mit ihrer Begeisterung für ihre “Elphi” mit.