Jedem Topf einen Deckel – Jeder Zielgruppe einen Kanal

Der Workshop „Social Media & Event – Ein Workshop über Mechaniken, die funktionieren und Inhalte, die interessieren“ startete feierlich. Die „Event Partner“ Redaktion überreichte an alle, die zum „System treibhaus 0.8“ gehören, den unabhängigen Redaktionspreis ZORA AWARD 2019 als treibende Kraft für den Kreativnachwuchs.

Die Dozentin ist treibhäuslerin der ersten Stunde, Sabine Mayer, früher Wißdorf. Sie referiert über gesellschaftlich-soziale Entwicklungen und welche Bedeutung den sozialen Medien hierbei zuzuschreiben ist.
Während das omnipräsente Smartphone zum verlängerten Leben geworden ist, verlernen wir den Unterschied zwischen Nähe und Distanz. Intensive Smartphonenutzer sind in der Regel auf der Suche nach etwas Spannenderem oder augenscheinlich Wichtigerem online als dem jetzigen Moment. Die Selbstverständlichkeit der Nutzung von sozialen Medien, mit der insbesondere junge Zielgruppen durch ihren Alltag posten, stellt die Branche vor eine kaum greifbare Herausforderung.
Während Events noch immer als Orientierungspunkte im Leben betrachtet werden können, wird mittlerweile von Eventbesuchern die Zusatzoption des sofortigen Teilens und der Möglichkeit zur Selbstdarstellung erwartet. Das Schlagwort „instagramable“ dominiert den Trendtalk. Hier sind Anglizismen ohnehin nicht mehr wegzudenken. Doch was verbirgt sich hinter dieser Phrase? Wie konzipiere ich ein Event, das „instagramable“ ist?
Sabine Mayer schöpft aus ihrem Erfahrungsschatz. Sie hat erkannt, dass die wichtigste Eigenschaft etwas Unplanbares beherbergt. Schnelllebigkeit, sofortige Verfügbarkeit und ständig neue Eindrücke erfordern neue Denkansätze. Beispielsweise kann der Ablauf eines Tagesevents in der ersten Stunde von den Besuchern selbst gestaltet werden. Durch die Präsentation von Möglichkeiten und Abstimmungsmechaniken wie Emojis oder Kommentaren ergeben sich interaktive Veranstaltungsformate. Das Planen von starrer Dramaturgie ist daher um eine agilere Methodik zu ergänzen. Früh entdeckt wurde dieser Trend von Red Bull. Sie investieren in ein eigenes Medienhaus, das eigenständige Formate kreiert und eine Maschinerie in Gang setzen. An dieser Stelle genügt es, den Stratosphärensprung von Felix Baumgartner zu erwähnen.
Dem gegenüber steht die Eventisierung des Alltäglichen. Nämlich dem Versuch, Social-Events für den Zweck der Selbstdarstellung zu kreieren. Das bringt sogar für uns undenkbare Berufsfelder mit sich. Ein „Social-Wedding Concierge“ zum Beispiel begleitet eine Hochzeit mit den Social-Media-Accounts der Paare. Und wofür? Für einen Peak im always-on Grundrauschen in den Feeds auf sozialen Netzwerken.
Diese Entwicklung zieht ein Glaubwürdigkeitsproblem zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum nach sich. Ein unglaubliches Spannungsfeld für Marken. Aus diesem Grund werden galante Kampagnen wie die „Penny Games“ auf Festivals dann erfolgreich, wenn die Marke neben einem für die Zielgruppe nahbaren Charakter in den Hintergrund tritt.
Vielen Dank an Sabine Mayer für den erkenntnisreichen Vortrag und die spannenden Diskussionsrunden.

Schließen möchte ich mit einer Frage. Driften wir von der Wissens- in die Irrealitätsgesellschaft?

Der Autor:

Karsten Göke hat seinen Bachelor in Business Administration an der University of Applied Sciences in Erfurt absolviert. Derzeit unterstützt er die Konzeptionsabteilung von George P. Johnson in Stuttgart.