Supercandyland

„Einhornkotze“
…war das wohl passendste Zitat des Abends. Rosa, rosa und noch mehr rosa. Doch wo sind wir eigentlich?

Wir befinden uns in Köln – Ehrenfeld bei unserem zweiten Workshop-Wochenende von Treibhaus 0.8. Das Kulturprogramm am Samstagabend bringt uns ins Supercandy, ein interaktives Pop-Up Museum made for Instagram. Die Räume, Requisiten und Ausstellungsstücke dienen nur einem Sinn: Fotos machen.

Es ist 19:30 Uhr, es regnet und es ist dunkel. Vor uns befindet sich eine alte Fabrikhalle mit einer unscheinbaren Eingangspforte. Wir öffnen die Tür, ein Schmerz sticht uns in die Augen und wir lassen vor Schreck die Tür wieder ins Schloss fallen. „Ach du scheiße“, „Was war das denn?“ sind nur einige der Sätze die daraufhin fallen. Wir geben uns einen Ruck und öffnen die schwere Eisentür ein weiteres Mal. Grelles Neonlicht und die Farbe Rosa erfüllen unsere an die Dunkelheit gewöhnten Augen und dann stehen wir da – inmitten einer inszenierten Welt die nur eine Farbe zu kennen scheint: Rosa. Wir werden von freundlichem Personal begrüßt und nach einer kurzen Einführung beginnt eine Reise durch eine Kulisse, die nur für Instagram, Snapchat und Co geschaffen wurde. Der Eingangsbereich (der Ausstellung) besteht aus Wänden voller rosa/pinker Luftballons und führt direkt in die größte Halle der Ausstellung. Hier befindet sich ein, zum Erstaunen aller, schwarzes Bällebad mit Lakritzmotiven an der Wand und ein rosa Bällebad mit Regenbögen an den Wänden. Skeptische Blicke, verlegenes Lächeln und ein wenig Irritation macht sich in unserer hauptsächlich männlichen Gruppe breit. Die Installationen werden kurz begutachtet und schon geht es weiter. Vorbei an Riesengummibärchen, Fotokabinen und einer pinken Badewanne finden wir unser Highlight: Ein großer Tisch mit pinkem, kinetischem Sand. Dieses giftig aussehende Gemisch, das sich anfühlt wie ein Mix aus Sand und Knete, bewirkt, dass sich jeder etwas gehen lässt. Es wird gelacht, geformt und rumgealbert. Nach dieser Station öffnen sich alle viel mehr der Thematik. Skepsis entwickelt sich zu Neugier, verlegenes Lächeln zu herzhaftem Lachen und misstrauische Blicke werden zu Handyfotos. Wir springen in die Bällebäder, posieren in einer Badewanne und werden mit Konfetti beschossen. Das alles wird stets begleitet von einem Smartphone Blitzlichtgewitter. Neben uns sind auch andere Gäste in dem Museum. Dabei handelt es sich hauptsächlich um weibliche Teenager, die teilweise mit Koffern voller Outfits angereist sind. Dementsprechend fallen auch deren Blicke aus, als ich (männlich, 1,86m groß, kräftig gebaut, Glatze, Mitte 20 und komplett schwarz angezogen) vor rosa Kulissen posiere und mich ins Bällebad stürze. Aber das ist egal, wir nehmen das Ganze mit einer gewissen Selbstironie.

Eigentlich entsprach ich eher der Anti-Zielgruppe und trotzdem hatte ich, nach anfänglichem Unbehagen, eine Menge Spaß – Was natürlich auch an der tollen Gruppe lag, mit der ich das Museum besuchen durfte. Abschließend möchte ich noch sagen, dass dieses Museum auf jeden Fall eine Erfahrung wert ist und auch seinen Zweck erfüllt – noch nie hatte ich so viele Likes auf einen Instagram Post.

#supercandy

 

Autor:

Tristan Rebischke ist ausgebildeter Veranstaltungskaufmann und absolvierte den Zertifikatslehrgang „Eventmanagement“ beim Studieninstitut für Kommunikation. Derzeit arbeitet er bei der planworx AG in München.

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