treibhaus macht schlau – diesmal: Event-Inszenierung im Raum

Location-Check in der Historischen Stadthalle Wuppertal. Inszeniert werden soll übungshalber eine fiktive Award-Verleihung plus Ausstellung, Buffet und Party mit 800 Gästen.

Marilyn, du stehst im Weg!

Ich werde schockgefrostet in meinem kurzen Rock, den ich mir extra für die Award Show gekauft habe. Hätte ich denn schon vor dem Eingang eine unauflösbare Traube erwartet? Einige der Gäste verziehen neben mir genervt das Gesicht. Was ist da vorn eigentlich los, dass sich die Masse so staut? Eine Frau neben mir schimpft resigniert: „Es reicht!“ und geht. Ich wähle stattdessen den radikaleren Weg und drängele mich nach vorn. Ein bisschen Menschenscooter hat ja noch keinem geschadet. Aber nicht jeder ist damit glücklich. „Ey!“, „Hinten anstellen!“ und „Unverschämt!“, ruft man mir nach. Als ich die Menschenspitze endlich erreiche, entdecke ich den Grund des Grauens: Marilyn Monroe – oder besser gesagt – ein Double von ihr. Verführerisch zieht sie unter dem windigen Luftschacht und vor der Sponsorenwand das weiße Kleid nach unten. Dabei wirft sie dem Fotografen einen kirschroten Kussmund zu. Kein Wunder, dass jeder ein Foto mit ihr will. Endlich schaffe ich es in das kleine, warme Foyer. An den Eingängen verteilen die Hostessen Sekt und Häppchen, sodass mich die nächste Massenansammlung erwartet. Ich muss seufzen – schon wieder kein Durchkommen. Als ich endlich den Saal erreiche, kann ich erleichtert aufatmen. Aber nur kurz, denn die Bouquets auf den runden Galatischen versperren mir den Blick zur Bühne. Auf meinem Stuhl muss ich meine Wirbelsäule bis zur Nackenstarre verdrehen. Und dann ist da noch der unerfahrene Redner, der fast von der Bühne fällt. Er malträtiert mein Gehör mit hochschrägen Verstärkungstönen. Wahrscheinlich hält er das Mikrofon zum ersten Mal in der Hand. Ich muss mich kneifen. Ist das wirklich echt? Spätestens jetzt nehme ich mir vor: Ich werde mich schnellstmöglich aus dem Schlamassel retten, sobald ich meinen Award in den Händen halte. Konfetti kann ich mir Zuhause besser zuwerfen.


Die Volontäre präsentieren dem Plenum ihre Ablaufkonzepte.

Lienhard Schäfer führt uns in seinem Workshop bildlich vor, wie man es eben nicht machen sollte. Dabei präsentiert er uns die ein oder andere goldene Himbeere der Eventgeschichte. Für uns heißt es dann: Aus den Worst Cases lernen und es selbst besser machen. Ein Ablaufkonzept für den FAMAB-Award muss her, das Besucherströme voraussagt und auf die historische Stadthalle in Wuppertal zugeschnitten ist. Die Führung durch die imposanten und geschichtsträchtigen Räume ist dabei inklusive.

Mein Fazit des Tages: Keine herausragende Idee ist gut genug, wenn sie im Raum nicht angemessen inszeniert wird. Dabei ist die Eventinszenierung im Raum kein Hexenwerk – viel Empathie, ein gesunder Menschenverstand und natürlich auch ein bisschen Erfahrung sind ein guter Anfang, um den Gästeflow vorauszuahnen und die beste Lösung zu finden. Eine Lösung, die die Menge nicht aus Verzweiflung, sondern vor Verzückung aufstöhnen lässt.

Die Autorin:
Laura Maria Rudolph, Volontärin bei VOK DAMS, will Marilyn einmal gebührend in Szene setzen.