Wo ist der Call to Action?

„Gesellschaftspolitische Kommunikation“ steht auf dem Programm – ein vielversprechender Titel. Neugierde, Erwartung, Fragezeichen auch. Vor allem nach 6 Monaten Pharma, Auto, schneller höher weiter. Endlich die gute, die relevante Sache.

Zur Sache spricht Mark Daniels, ein Berater, CD und Teamleiter bei neues handeln, einer Kommunikationsagentur für den Non-Profit-Bereich. Die allseits bekannte Organspende-Ausweis-Origami-Kampagne stammt aus ihrer Feder, aber auch eine Vielfalt weiterer Cases für Ministerien, NGOs, Stiftungen und sogar Lebensmittel-Konzerne. Solange es kein so genanntes Greenwashing ist. Denn das ist nicht authentisch.

Ich erfahre die Unterschiede zwischen Profit und Non-Profit. Anhand von praktischen Beispielen. Beim Non-Profit steht – verkürzt gesagt – nicht triviale Absatzförderung auf dem Plan. Vielmehr die „Sensibilisierung für wichtige Themen“ oder auch die „Anregung zur Meinungsbildung“.

Wenn hier auf dem Plakat „Egal wie Sie ihn tragen, Hauptsache Sie haben ihn.“ steht, geht es nicht etwa darum mich zum Organspender zu machen, sondern darum, dass ich mir eine Meinung zum Thema Organspende bilde. Wenn auf einem anderen Plakat „Kein Krieg auf meinem Körper“ steht, geht es nicht darum, dass ich Geld spende oder tatkräftig unterstütze – es geht darum, mich ganz generell für das Thema Gewalt an Frauen in Kriegen zu sensibilisieren.

Finde ich argumentativ nicht überzeugend. Was genau soll ich jetzt machen?! Für mich klingt das nach mangelnder Zuspitzung. Und auch nicht authentisch – obwohl gerade das ja scheinbar so wichtig ist. Offensichtlich hab ich da was nicht kapiert. Das bleibt auch bis zum Ende des Workshops so. Nein, sogar bis zum Ende des Abends inklusive kontroverser Diskussion mit Mit-Treibhäuslern. Was ist wohl der kommunikative Unterschied zwischen Profit vs. Non-Profit? Beim Reflektieren über die gesehenen Cases bringt’s eine Kommilitonin auf den Punkt: Fehlt da nicht der Call to Action? Ist zwar schnöder Marketing-Sprech, aber Bingo!

Kauf mein Auto, wähle meine Partei, billige mein Gesetz, befolge mein Gesetz, Spende für meine NGO, oder Dein Organ – geht es nicht immer darum, eine Haltung zu festigen oder zu ändern? Um so zum Handeln zu bringen? Ob direkt „Nur noch wenige verfügbar“ oder indirekt „me Convention“ ist eine Frage der Rhetorik, keine Frage von Profit oder Non-Profit. Oder gar Authentizität.

Oder ich hab ich da etwas Fundamentales nicht verstanden?
Das hier ist übrigens meine „Anregung zur Meinungsbildung“.

Der Autor:
David Hartgenbusch ist beharrlicher Design-Student an der KISD (TH-Köln), gelernter Mediengestalter und hat auch mal kurz Architektur studiert. MATT CIRCUS brachte ihn zur Live-Kommunikation, derzeit arbeitet er als Junior-Konzeptioner bei FEDERFREI.